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EA80

Hinter den Dingen
Zuallererst wird man hier bei einem EA80-Interview nichts Typisches in einer bekannten Interviewform erwarten dürfen, weil EA80 keine "Interviews" geben und keine "Form" akzeptieren, und man Formales auch nicht erwarten darf. EA80 sind Punk und entziehen sich allem, auch dem Versuch, für Interviews da zu sein. Ich werde anfangs direkt darauf aufmerksam gemacht: Kein Tonband, keine Kamera und am besten auch kein Papier. Dahinter steht ganz bewusst eine Absicht, denn EA80 sehen keinen Sinn darin, sich der Musikindustrie anzubiedern. Als ich erkläre, was BROKEN SILENCE macht, ist das Mag in den Augen von Sänger Martin auch keinen Deut besser, er aktzeptiert nur ein paar Fanzines, weil diese "selbst gemacht und authentisch" sind.-

Punk
EA80 aus Mönchengladbach ist eine der ältesten noch aktiven Punkbands überhaupt.
Ihre Platten bekam man damals nur per mailorder oder in Indieplattenläden und diese stellen heute echte Schätze in den Plattensammlungen dar. Dabei steht Punk nicht für das Äußere, sondern die Einstellung, bei der Band wie bei den Fans. Es gibt hier keine Posen und keine Attitüde, sondern Inhalt. Vermarktungsmechanismen lehnen sie seit über zwanzig Jahren strikt ab. Seit ihrer ersten 7''-Veröffentlichung "Der Mord fällt aus" (1982) pflegen sie nämlich Vinyl und das mit erstklassigen Covern. Fast alle sind in einem schwarz-weißen Artwork gehalten, teils mit Fotos, teils mit Zeichnungen. Die Cover sind oftmals ein Stück Kunst, und kommen anspruchsvoll rüber, ebenso wie deren Texte, die man auch als Gedichtband herausgeben könnte, no shit. My favorite one: "Grüner Apfel".

EA80:  "Gruener Apfel"
EA 80 sind:
Junge - Stimme
Oddel - Bass
Hals Maul - Gitarre
Nico - Getrommel

EA80 singen ausschließlich deutsch.

Schauspiele
- Samstag, der 16/12/2000 -
EA 80 spielt heute Abend live im Autonomen Zentrum in Mülheim, zusammen mit KLOTZ und VÖLKERMORD. Während der Soundchecks nimmt sich Sänger Martin Zeit für das Interview. Wir hocken uns in einer Seitenhalle, in der es aussieht, als hätte eine Kirmes dort ihr Winterquartier, auf zwei Stühle und beginnen mit dem Gespräch. Es findet kein Frage- und Antwortspiel statt, sondern eine Unterhaltun, bei der man Meinungen austauscht und sich kennenlernt. Das ist für mich ungewohnt und führt manchmal zu Missverständnissen auf beiden Seiten. Der Dialog wird aus dem Gedächtnis und stark reduziert wieder gegeben. Ganz im Sinne von EA80.
 

Warum magst Du eigentlich keine Interviews?
Martin: Ich mag es weniger, viel zu reden, überhaupt zu reden.

Und das Verbot von Mitschnitten, was soll das?
Das ist doch keine Art. Ich mag nicht die Interview-Atmosphäre, dieses Frage-Antwort-Spiel. Das ist doch immer das gleiche. Und es werden auch immer die gleichen Fragen gestellt. Auch wenn mitgeschrieben wird, das ist es nicht. Am besten, man merkt sich alles. Dann erinnert man sich auch an das, was wichtig war.

Welche Fragen würdest Du Dir denn dann gefallen lassen?
Wenn ein Fan zu uns kommt, dann stellt er die wesentlichen Fragen. Er fragt das, was ihn bewegt, und weswegen er überhaupt zu uns kommt. Eigentlich gibt es nur wenige echte Fragen.

Die Fanzines sind doch an Euch interessiert, wenn Ihr alle Jubeljahre mal wieder die Nase vor die Tür steckt...
Ja, aber die akzeptieren das auch alle. Joachim vom OX (#39/2000) hatte da auch nichts dagegen. Aber dann diese tausend Sätze, die hinterher dabei rauskommen. Und alles so klein, kilometerweise Text und eng zusammen gequetscht... (Martin argumentiert dabei zum ersten mal energisch) ... das finde ich schrecklich! Deshalb kann jeder uns vier Fragen stellen, jedem Mitglied der Band nur e-i-n-e.

Und wenn man doch mehr Fragen stellen wird?

EA80: "Schauspiele" Dann endet das in Musikjournalismus, wie beim OX. Faßt Euch kurz.

Du scheinst überrascht, das Broken Silence ein reines Web-Mag ist.
Ich interessiere mich nicht für das Netz. Haben wir alle nicht. Wir machen Punk.

Ihr entzieht Euch gewollt allem, auch der Form eines klassischen Interviews ...
Nein, aber die Form im Internet ist doch schrecklich. Am besten, Du schreibst nachher alles von Hand auf, mit Deiner Dir eigenen Handschrift und stellst das dann ins Netz. Das ist eine akzeptable Form...

...die ganze Seite dann als Grafikformat? Lauter Bilder? Alles einscannen, die wird zum runterladen dann aber fett...
...technische Probleme interessieren doch nicht! Macht das doch mal (grins)! Das wär mal was Neues!

Vorsicht Schreie
Fan bedeutet also echtes Interesse. Aber was bin ich, ein Fan? Wann ist man das, ein e-c-h-t-e-r Fan? Ich tue mich mit der Definition schwer. Ich bin neugierig auf EA80, und erwarte, das Martin mir was von sich, und seiner Philosophie erzählt. Mir war eine Frage gestattet, also stelle ich sie.

WAS IST EA80 ?
Wir spielen Punk. Das ist mir am wichtigsten, nicht Punkrock, nicht Deutschpunk, was Da immer auch geschrieben steht. Wir spielen schlecht. Ich kenne meine Texte nicht, muß sie ablesen. Wir spielen Punk, und das machen wir auch noch, wenn keine Saite mehr auf der Gitarre ist. Wir bräuchten für Punk nicht einmal die Instrumente.
 

Mehr Schreie
Wenn Punk bedeutet, sich nichts sagen zu lassen, dreht Martin den Spieß um. Sie geben die Form vor, und wenn man den Köder schluckt, dann ist man in der Zwickmühle, sich etwas gesagt haben zu lassen. Den EA80 lehnen Vermarktung ab. Dennoch ist Martin als Gesprächspartner sehr sympathisch und offen, und keinesfalls so wortkarg, wie er anfangs vorgab, zu sein. Ich bin wirklich genötigt, gut nachzudenken. Seit Nina Hagen ist mir kein so anspruchsvoller Gesprächspartner untergekommen.

Viele Eurer Texte sind gut beobachtet, spiegeln aber auch Angst wieder. Das führt mich zu der Andeutung, daß Du als Psychologe arbeitest?
Das ist eins von den unsterblichen Gerüchten. Fehlinformation.

Wie kommen die zustande?
Keine Ahnung. Finde das mal heraus.

Eure Texte aus den Achtzigern erinnern mich stark an die frühen Fehlfarben.
Ach ja? Fanden ja früher viele gut. Aber was die heute so machen, lassen ihr altes Zeug remixen und auf Hochglanz polieren.

"HC/HC" von eurer LP "Schweinegott" (1998) hingegen wirkt erstaunlich konkret und straight, im Vergleich zu den anderen Texten, äußerst aggressiv und offensiv.
Ja, er stammt von mir. Ich wollte mal was loswerden.

HC/HC
Disse dies und disse das
Komm nun her - ich sag dir was
Du bist so schön und radikal
Halt dich raus - verlaß den Saal
HC/HC hasse was
Disse dies und disse das
Am Ende bist Du überlebt
Weil HC dann nach Hause geht
Alles viel zu oft gehört
Totgeredet und aufgeführt
Die Überzeugten nochmals überzeugt
Weil UNITY so sehr erfreut.-

Inoffizielle Websites:

Link No 1: >>> EA80
Link No 2: >>> EA80

Jason Baton

Cover: Punk
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