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11. Juni 1999, Casino-Nacht Trier




BIG RUDE JAKE


Der Swing Punk Big Rude Jake erzählt über die Roots des New Swing, die Postmoderne und gute Zigarren. Das Gespräch führte Jason Baton.

Jason: O.K. Erzähl uns, dem Trier-Web und unseren Lesern, von Deinen Anfängen: Was waren die Gründe für Dich, den New Swing zu spielen ?

Big Rude Jake: Der wichtigste Punkt ist, daß es einfach keinen New Swing gab. All right ? Ich studierte Jazz und und hatte die Idee, eine traditionelle Old Time-Jazz Band mit einem Punkrock - Flavour zusammen zu stellen. Denn in den in der Postpunk-Ära der Achtziger gab es eine Menge verrückter Bands in Kanada und ich und meine Freunde entschieden, daß in der Musik alles möglich ist. The crazier, the better ! Als ich dann die Band zusammenstellte, war es klar, es wird eine Jazzband mit Punkrockhaltung. Wir hatten keine Ahnung, wie man die Instrumente richtig spielt und wie eine wahre Punkrockband war die Musik roh, primitiv, und wir hatten nicht die original Anzüge (Zoot-Suits). Das ist jetzt neun Jahre her. Nun gibt es die New Swing-Bewegung und wir sind glücklich, daß es sie gibt, denn dadurch sind wir nach Europa gekommen, aber letztendlich sind wir älter als die Swingbewegung und wir werden sie auch überleben.

J: In den letzten neun Jahren gab es in der Musik Parallelen zu Deiner Entwicklung, so das Brian Setzer Orchester und die Cherry Poppin' Daddies. Wer waren die großen Vorbilder im Swing, Punk und vielleicht sogar Rockabilly, die dich beeinflußt haben ?

BRJ: Das ist mal eine gute Frage, die mir zum ersten Mal gestellt wird. Ich glaube, der erste
und allerwichtigste große Frontmann aller Zeiten war Cab Calloway. Cab wurde von seiner Band nicht engagiert, weil er ein guter Musiker war, sondern weil er ein großartiger Performer war. Und er entschied, von Missouri nach New York zu gehen, weil er dort seine Musik spielen wollte. Dort angekommen, fand er heraus, das der Stil der Band überholt war. Also feuerte er alle und suchte sich eine neue Band. Er war ein Entertainer, er stellte sich direkt vor die Leute und wurde dafür geliebt. Er war der berühmteste Bandleader der Dreißiger. Ohne ihn gäbe es keinen Elvis Presley, keinen Mick Jagger und Johnny Rotten. Sie alle haben etwas von ihm, denn er war der erste Frontmann, der nicht unbedingt auch ein großer Musiker war.

J: Du bist unter Vertrag bei Roadrunner Records, Home of Biohazard. Wie ist das, wenn man von lauter New York-Hardcorebands umringt ist ?

BRJ: Es sind Biohazard, Sepultura, Fear Factory und Coal Chamber, "some of the hardest and toughest" Bands im Rock'n'Roll, und Wir ! Und es ist klasse, großartig.

J: Roadrunner Records sind bekannt für ihre knallharten Videos, gibt es also ein neues Video von Euch aktuell zu sehen ?

BRJ: Yes ! Es heißt "Queer for Cat" und es läuft auf Viva Eins.




Postmoderne Schäden, Cigars & Swing

J: Ein Blick in die Zukunft: Wo siehst Du Dich in fünf Jahren ?

BRJ: Gleiche Band, besserer Anzug.

J: Amerika vs. Europa: Gibt es eine Chance für Sauerkraut Kids, ein echter Swing Cat zu werden ?

BRJ: Natürlich. Es gab schon immer eine Swing Bewegung in Deutschland. In dem Film "Swing Kids" (Hollywood Pictures) geht es über diese Jugendlichen in Hamburg, die den Swing liebten und dafür verfolgt wurden. Der Film wurde inspiriert durch diesen berühmten Swing DJ, der dafür sogar ins Konzentrationslager kam. Er ist der älteste deutsche DJ, er lebt noch immer und legt Old Time-Jazz, alten Jump Blues und alten Swing auf. In Deutschland liebte man den Swing, man mußte zu dieser Zeit auch dazu stehen und Mut besitzen und man war stolz darauf. Für diese Leute will ich auch spielen, für Leute, die dazu stehen können.

J: Zu Deinem Outfit: Wo hast Du diese schwarz-weißen Two-Tone Schuhe her ?

BRJ: Aus San Francisco.

J: Es heißt, Du hinterläßt die Clubs in denen Du spielst in einem ziemlichen Zustand, denn die Swing Cats tanzen und feiern ganz schön, so wie in den alten Zeiten. Nach der Generation X und ihrer Musik, steht Swing für eine neue Welle von Schwung und Enthusiasmus ? Deine Musik wirkt positiver als der Seattle Sound.

BRJ: Das ist richtig ! Ich denke, daß man die depressive Musik satt ist. Die Plattenverkäufe in den Staaten belegen, daß Rock'n'Roll fast tot ist. Aber die Musikindustrie will keine Alternativen, sie behindert sie und hält sie klein. Aber es gibt sie, die Alternativen, und nicht nur Swing. Es gibt eine große Ska Bewegung, der Rockabilly erlebt ein neues Revival in Amerika, es gibt diese große, schier unendliche Menge an Dance Musik, so HipHop und wirklich guter TripHop, es geschieht überall etwas. Das sind die Alternativen zu Rock'n'Roll, schlechtem HipHop und beschissener Popmusik. So sind auch wir ziemlich glücklich, nach Europa zu kommen und ein bißchen Medienbeachtung zu finden. Zur depressiven Musik: Die Postmoderne hat uns das angetan...

J: Viele Fragen, auf die es keine Antwort geben soll.

BRJ: ... genau ! Viele Fragen, keine Antworten. Die Jungen haben diese Wut auf ihre Väter, besitzen aber keinen eigenen, postiven Standpunkt. Sie scheißen auf alles, das ist die Postmoderne. Das haben wir (beide) satt. Die Leute wollen etwas, wozu sie stehen können, nicht nur Widerstand.

J: Du hast Toronto verlassen und die kanadische Szene erwähnt, welche Bands sollten wir da kennen ?

BRJ: Das gab es die Look People, die in Deutschland erfolgreich waren. Und die Razorbacks und Déjà-Voodoo, die übrigens von den Presidents of the United States erfolgreich kopiert wurden.

J: Letzte Frage: Du bist ein Zigarrenliebhaber. Welche Marke ziehst Du vor ?

BRJ: "I prefer the ones, that are given to me." Mein Favorit sind Lousitanias, aber auch Churchill's und Romeo & Juliet, also kubanische Zigarren.

J: Thank You.

Die aktuelle CD heißt "Big Rude Jake", ist erschienen bei Roadrunner Records.

...Jason Baton
[Big Rude Jake]: Big Rude Jake
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