BEATSTEAKS
Rock am See - Losheim / Saar, am 03. 07. 1999

Deutsche Punk-Hoffnung, Part
2: Die Beatsteaks aus Berlin sind die erste deutsche Band, die beim
begehrten Epitaph-Label unterschreiben konnten. Sie tourten schon mit Lagwagon,
59 Times the Pain, Thumb, Mad Sin, der Bloodhound
Gang und spielten mit den Sex Pistols und Faith No More. Shouter Arnim
Teutoburg-Weiß (no Joke) verrät uns alles über das neue Album, den Deal mit
Epitaph und frühes Presselob. Am 22. August werden sie auf dem Bizarre-Festival
auf der Fat Stage auftreten.
In einer Trierer Tageszeitung zur Hardrockband erklärt (vielleicht weil sie
Manowars „Kings of Metal“ covern) treten die Beatsteaks in Losheim
bei 32°C im Schatten dennoch das Gaspedal voll durch und spielen hart und
trocken und Shouter Arnim stürzt sich vom Bühnengerüst aus gut 3 Metern in
die Menge. Als sie ihr gesamtes Set runtergeprügelt haben, gibt’s als
Zugabe "The KKK Took
My Baby Away" von den Ramones.
Beatsteaks' Arnim war nach dem Gig erst einmal im See schwimmen und
gibt entsprechend gut gelaunt im dicksten berlinerisch Auskunft zu der neuen
Scheibe der Beatsteaks:
Unser Album heißt "Launched" und ist auf Epitaph erschienen. Wir
waren gerade mit dem neuen Album unterwegs mit NOFX, H20 und Lagwagon und
haben Europa aufgemischt. Heute ist unser letzter Tag und morgen geht’s
nach Hause. Der Deal mit Epitaph kam zustande, als diese uns in Amsterdam
gesehen haben. Sie zeigten Interesse und fragten vorsichtig an, wo denn
unsere nächste Platte erscheinen soll, da sagten wir, na bei Euch ! Das
ist ein Traum für uns, und es ist auch eine absolute Ehre, mit denen zu
arbeiten, eine Superfamilie, es is geil.
Ein Bandmitglied (git) liegt im Krankenhaus und fehlte somit dem Sound
der Band. Doch Arnim hat die Gitarre übernommen: 
Jetzt hab ich die ganze Zeit die Klampfe in der Hand. Normalerweise spiele
ick nur drei Songs. Sons renn ick los auf die Leute (lacht)! Doch
auf der Warped - Tour ist er wieder dabei.
Dann präsentiert er so an die dreißig Mückenstiche von der Italientour.
Die Herleitung des Namen Beatsteaks erklärt er nicht näher:
Das steht für uns fünf Jungs, die nur das machen, was sie wollen. Wir sind
aber keine typische Punkrockband, das sind Rancid, Clash oder die Ramones.
Ich fände es toll, wie die Ramones zu sein, doch das schafft eh keiner mehr.
Da wir auf Epitaph sind, haben wir auch was mit Punkrock zu tun, aber wir
versuchen mit verschiedenen Stilen zu spielen und kennen keine Grenzen.
Wenn wir Balladen machen wollen, dann machen wir das auch.
Im Hintergrund dröhnen H2O von der Festivalbühne. Wie sieht er die Zukunft
des Punkrock, zurück zu Härte und Botschaft oder eher Verspieltes mit Fun-Einlagen?
Der Riesenpunkboom ist eigentlich vorbei, doch im Untergrund brodelt’s
doch schon wieder ganz heftig. Da sind die Donots und wir, und irgendwann
knallt’s wieder, ich weiß das. Rock’n’Roll wird nie sterben.
Dann kommt auch wieder eine Band mit ‘ner Botschaft, so wie Rage Against
The Machine. Ich mag alle Arten von Musik, wenn sie mit Herz gemacht ist.
Die Absoluten Beginner, die machen cool ihr Ding, oder die Fanta 4, da kann
ich mich nur vor verneigen, weil sie immer straight ihr Ding gemacht haben,
so gesehen ist das auch Punk.
Arnim bekennt sich auch zu Refused und zu Turbonegro, als wir auf kommen
skandinavische Bands zu sprechen kommen, 59 Times The Pain waren ja in Losheim
ausgefallen, weil ihr Fahrer mit samt dem Schlüssel das Weite gesucht hat,
und das im tiefsten Italien. Da die Platte "Launched"
im VISIONS zur "Platte des Monats"und im Intro zum "Spektakel
des Monats"gewählt wurde, frage ich nach der Entwicklung des Absatzes:
Gut, könnte gar nicht besser gehen. Das ist unser Kind, nach "48/49",
unserer ersten Platte. Wir haben gar nicht damit gerechnet, Platte des
Monats zu werden. Doch ich will das Lob gar nicht so ernst nehmen. Journalisten
mögen Dich, und dann hassen sie Dich und sagen das auch immer deutlich.
Kritik macht eher stark. Zur Zeit kriegen wir von allen Seiten Lob und
das will ich nicht so an mich heran lassen. Ich freu mich viel eher, wenn
ich das meiner Mama zeigen kann und die sagt: "Oh mein Junge ist
auf Platz Eins!"
Was hält Arnim von Vinyl, will ich wissen, denn immer mehr Bands wollen
wieder Releases auf LP: Klar, wir haben "Launched"
auch auf Vinyl veröffentlicht. Das sieht supergeil aus, zum Aufklappen, mit
Photos von uns im Studio, superfett. Das Layout ist das Besondere an der LP.
Yum, denkt Jason, What a perfect day! Donots gesehen,
Beatsteaks gesehen, ein bißchen in das Sweetie von Fruit verliebt
und die Taschen voller Gras.